MONIKA GOETZ // within // 11.11.-22.12.2016 // Schwarz Contemporary

Den Auftakt der Ausstellung bildet die Arbeit Within (1999/ 2016). So nah man auch herantritt, die durch die Behandlung mit einer Säure stark angegriffene Oberfläche des Spiegels verwehrt den Blick auf das eigene Gegenüber. Das Zusammenspiel der reflektierenden Fläche und des reflektierten Lichts ist unterbrochen, wodurch das Objekt ‚Spiegel’ in sein Gegenteil verkehrt wird: Zeigen wird hier durch Verbergen ersetzt, der Betrachtende wird mit nicht mehr als seinem schemenhaften Abbild, einer Ahnung des eigenen Anblickes vertröstet. Doch gerade durch dieses Vorenthalten des Erwarteten kann ein Nachdenken über das zu Spiegelnde einsetzen. Was ist das Verhältnis zwischen dem Äußeren, dessen Abbild und dem, was das Spiegelbild nicht wiedergeben kann, dem Inneren eines Menschen? Dieses Sichtbarmachen des Unsichtbaren und das Unsichtbarmachen des Sichtbaren, das hier mitschwingt, zieht sich wie ein roter Faden durch Monika Goetz’ Arbeiten. Die Installation Esperance (2016) besteht aus transparenten Flaschenböden, die vom Rest der Flasche abgesprengt wurden. Hierfür wird ein in Spiritus getränkter Faden um die Flasche gewickelt und angezündet. Sobald der Faden vollständig abgebrannt ist, kommt die Flasche in einen Behälter mit Eiswasser, wo das Glas durch den hohen Temperaturunterschied an der Stelle des Fadens zerbirst. Die zusammengefügten Bruchteile ergeben ein in sich widersprüchliches Konstrukt: eine eckige, scharfkantige Kugel. Unversehrtheit – das Zusammenhalten der einzelnen Teile in der Form der Kugel – und Versehrtheit – die markanten Bruchstellen der Flaschen – greifen hier ineinander. Die Glasobjekte, die im Galerieraum zu einem fiktiven Sternenbild angeordnet sind, zeichnen sich sowohl durch ihre besondere Ästhetik, als auch durch die von ihnen ausgehende physische Gefahr aus. So wie der blinde Spiegel aus sich selbst und seinem Gegenteil – dem Verbergen – besteht und die Kugeln Unversehrtheit und Versehrtheit in sich tragen, so spielt auch die Arbeit Sunrise (2016) mit einem Widerspruch. Die mit dem Begriff ‚Sonnenaufgang’ verbundenen Assoziationen an Helligkeit und etwas Beginnendes werden durch das Schwarz der verkohlten Holzbohlen konterkariert. Der aufwendige Herstellungsprozess, der in Monika Goetz‘ Arbeiten einer versteckten Performance gleich dem öffentlichen Zeigen häufig vorangeht, ist auch im Fall von Sunrise nur noch zu erahnen. Durch das Verbrennen der einzelnen Fichten- und Tannenbohlen wurde die Struktur der Hölzer verändert und es entstanden unterschiedliche, unvorhersehbare Muster. Wie so oft in ihren Installationen ist die Ästhetik dieser Arbeit das Ergebnis des Ineinandergreifens von Planung und Zufall. Im letzten Raum schließt sich mit Captured Light der Themenkreis der Ausstellung. Die 56 Leuchten der Installation beziehen sich mit ihrer Höhe von 1,80 m auf den menschlichen Körper, ihre Gehäuse wurden eigens für diese Ausstellung gefertigt. Ihre Anordnung erinnert an ein Zoetrop, ein mechanisches Gerät aus den Anfängen der Kinematographie. Schreitet man den Halbkreis ab, entsteht durch den Wechsel von Hell und Dunkel der Eindruck eines stroboskopartigen Lichtes, das im Zentrum des scheinbar runden Innenraumes der Arbeit befestigt ist. Tatsächlich wird der durch die 56 Leuchtstoffröhren gebildete Halbkreis jedoch erst durch den an der Wand angebrachten Spiegel zu einem Kreis komplettiert. Verwehrte sich der Spiegel in Within seiner Funktion, indem er das Spiegelbild vorenthält, schafft der Spiegel hier einen illusorischen Raum, der über die Galerieräume hinausragt. Der Ort im Inneren des (Halb-) kreises ist für die Betrachtenden nicht begehbar, es lässt sich nur ein Blick auf das Innere werfen.

Text: Ferial Nadja Karrasch

Schwarz Contemporary

Monika Goetz

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