Oliver Flössel // dia log // 13.01.-18.02. 2012 SCHWARZ CONTEMPORARY

Flössels großformatige Gemälde sind das Logbuch seiner täglichen Erfahrungen und Eindrücke. Ähnlich einem Tagebuch beinhalten sie Spuren von Gedanken, von Erlebtem, Fragmente von Wahrgenommenem, die zu einem neuen Ganzen gebracht werden. Hierdurch gibt Flössel dem Funktionieren von Kommunikation eine bildliche Form: Das auf die Leinwand Gebrachte ist der Inhalt einer Unterhaltung zwischen dem Künstler und dem Bild, die Farben und Formen funktionieren als Satzbausteine. 
Um mittels Sprache Inneres verständlich machen zu können, ist eine vernünftige Einsicht in die innere Wirrnis erforderlich, und so sind auch Flössels Kompositionen das Ergebnis eines Wechselspiels zwischen Vernunft und Chaos und eines mehrstufigen Prozesses des Nachdenkens über, Bewertens von und Abwägens zwischen den unterschiedlichsten alltäglichen Wahrnehmungen.
Das kommunikative Miteinander zeigt sich in Flössels Arbeiten im permanenten Hinterfragen der Ziele und Ansprüche des Künstlers an das Bild und auch im Befragen der Eigenheiten und der Ansprüche des Bildes an den Maler. Kommunikation ist aber nicht nur das Berücksichtigen des Partners, sondern auch das Austesten der Grenzen des Gegenübers: Bis zu welchem Grad lässt sich das Bild dem Willen des Malers unterwerfen, an welchem Punkt ist die Einsicht erforderlich, dass das Bild Ruhe braucht und wann gewinnt der Charakter des Bildes Überhand über den weiteren Entstehungsprozess? Sowohl die Eigenheiten der Kommunikationspartner als auch das Einwirken ständig neuer Einflüsse von außen machen eine sichere Vorhersage des Ergebnisses unmöglich. 
Der Dialog zwischen Künstler und Bild nimmt manchmal überraschend, zuweilen sich langsam anbahnend eine neue Richtung ein, spitzt sich zu, droht abzubrechen…
Um ein gutes Miteinander zu finden, ist Flexibilität erforderlich, und so fordert Flössel sowohl sich selbst als auch dem Bild ständig Bewegung ab: Die körperliche Arbeit an dem Bild spielt eine entscheidende Rolle, weshalb Flössel großformatige, robuste Leinwände verwendet.
Die Bilder selbst werden im Laufe des Entstehungsprozesses gedreht und gewendet, bis die passende Position auf dem Atelierfußboden oder an der Wand gefunden ist.
Durch die intensive Auseinandersetzung, die sich niederschlägt im Spiel der Formen, im Wechsel zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit, durch das Aufblitzen von Buchstaben, durch die unterschiedlichen Farbaufträge und das Verwenden unterschiedlicher Materialien, wie Ölfarbe, Textmarker, Lack oder Spray, entsteht die den Gemälden Oliver Flössels eigene Spannung und Tiefe. 
Ist der Dialog zwischen Künstler und Bild abgeschlossen, sollen die Gemälde zu einem weiteren Dialog mit dem Betrachter anregen. Hierbei geht es Flössel nicht um das Nachvollziehen des bereits abgeschlossenen Kommunikationsprozesses. Vielmehr sollen die Andeutungen Anknüpfungspunkte zwischen dem Bild und den individuellen Assoziationen des Betrachters ermöglichen und das Entstehen eines erneuten kommunikativen Miteinanders bewirken.

Text: Ferial Nadja Karrasch

Bilder

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